Kategorie: Projekte

Zukunft Nord, Karlsruhe (1. Preis)

 

Verfahrenstyp

nichtoffener städtebaulicher Wettbewerb mit vorgeschaltetem Bewerbungsverfahren

 

Leistungen von p.a.

Hochbauliche Vertiefung (LP1-2)
Energie- und Nachhaltigkeitsstrategie
 

Team

Steffen Wurzbacher
Oliver Legat
Marius Riepe

 

Auslober

Stadt Karlsruhe
Stadtplanungsamt

 

Bearbeitungszeitraum

Mai 2015

 

Projektpartner

Machleidt GmbH (Städtebau)
sinai Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH (Freiraum)
SHP Ingenieure, Hannover (Verkehr)
performative architektur (Architektur, Energie + Nachhaltigkeit)

 

Kurzbeschreibung

Das neue Stadtquartier korrespondiert als „Stadtscholle im Wiesenmeer“ in vielfältiger Weise mit den umliegenden Siedlungsstrukturen. Gleichzeitig bildet es einen ganz eigenständigen Charakter aus: in seiner inneren Struktur wie auch in seiner Silhouette  reflektiert es seine Lage an den Weiten des alten Flugfeldes. Drei  markante „Kerbungen“ gliedern dabei das Quartier und verzahnen es mit dem Umfeld. 

Der zentrale Quartiersplatz fungiert als belebte Schnittstelle zur Bestandsbebauung im Osten. Ein Hochpunkt markiert den besonderen Ort, ein Pavillon wirkt als Filter zur Straße. Die vier Teilquartiere, die sich zwischen den Freiraumelementen herausbilden, sind jeweils durch einen individuellen Duktus in der Bau- und Freiraumstruktur gekennzeichnet. Der südliche Teil orientiert sich an der kleinteiligen Baustruktur entlang der Lilienthalstraße. Der Bereich südlich des Platzes greift das Kammmotiv der Hochschule auf und führt dieses in Form von gemischten Wohn- und Gewerbehöfen fort. Das Gebiet nördlich des Platzes wird durch eine aufgelockerte Blockrandbebauung mit unterschiedlichen Typologien wie Geschosswohnungsbauten oder auch Reihenhäusern und Stadtvillen charakterisiert, die eine vielfältige Mischung der Bewohnerschaft ermöglichen. Das nördlichste Segment arbeitet mit Strukturen von Gartenhäusern in Hausgruppen und Hofeinheiten.

Neben der prinzipiellen Gliederung durch die Bänder mit gewerblichen Nutzungen an der Erzberger Straße und dem überwiegenden Wohnen in zweiter und dritter Reihe gibt es einige Sonderfunktionen: Am Stadtplatz befinden sich der Supermarkt (direkt an der Straße), Läden und Gastronomie (an der besonnten Nordseite), eine Kita (im Süden) sowie Stadthaus/Gastro/Ausstellungsraum etc. (im Pavillon). Die Freie Schule findet an der nordwestlichen Ecke des Platzes einen neuen Standort, in direkter Nachbarschaft zum NCO-Jugendclub. An der Fuge zwischen Stadtplatz und Landschaft nach Süden liegt das Seniorenheim mit Gastronomie im Erdgeschoss. Im Übergang zur Hochschule befinden sich Gewerbeeinheiten, die in den Obergeschossen auch mit Wohnen ergänzt werden können.

Mit der Inszenierung der Randzone zum Alten Flugfeld entsteht der verbindende Grünraum und gleichzeitig das wichtigste Wahrnehmungsfeld der Siedlung. Dies ist begünstigt durch die Reliefgestaltung: Mit dem leichten Ansteigen der Baufelder ergibt sich am Parkrand ein Höhensprung zum verbleibenden Flugfeld von ca. 1,20 m. Aus erhabener Position nimmt man so die Wiesenweite war, der notwendige Zaun ist leicht überblickbar. Wie Gangways gestaltete Aussichtskanzeln verschaffen Überblick über das Flugfeld. Der Randpark selbst stellt sich als Wechsel locker-hainartig bepflanzter Intensivbereiche mit eingebetteten Spiel- und Aufenthaltszonen und extensiver Wiesenbereiche dar. Die Einbindung von tieferliegenden Bestandsstrukturen belebt dabei immer wieder die Reliefstrukturen. 

Das Mobilitätskonzept zielt auf ein möglichst breites Angebot unterschiedlicher Verkehrsträger ab, die je nach Bedarf genutzt und kombiniert werden können. Begünstigt wird dies im neuen Stadtquartier durch die sehr gute Anbindung an die Stadtbahn im Osten und die S-Bahn westlich des Alten Flugplatzes sowie die vorhandenen guten Rad- und Fußwegeverbindungen, an die der Entwurf anknüpft. Um insbesondere alternative Mobilitätsformen zu stärken, werden im Straßenraum besonders viele Fahrradstellplätze verortet. Zudem werden mehrere Mobilitätsstationen vorgesehen, an denen ein Wechsel zwischen den unterschiedlichen Angeboten (Nachbarschaftsauto, Leihfahrräder, Pedelec,...) möglich ist. Durch diese Maßnahmen kann der Kfz-Schlüssel auf 1 Stellplatz je Wohneinheit reduziert werden. Die Anbindung für den Kfz- und LKW-Verkehr erfolgt über drei Zufahrten von der Erzbergerstraße, die annähernd im Bereich der heute bereits bestehenden Einmündungen liegen. Die Parkierung erfolgt weitgehend in Tiefgaragen unter den Baufeldern, oberirdische Stellplätze ergänzen das Angebot.

Die Dachflächen werden zu einem Anteil von ca. 60% intensiv begrünt. Diese Bereiche können auch als Freiflächen der Bewohner (z.B. durch Terrassen, Beete, etc.) genutzt werden. Die restlichen Flächen von ca. 40% sind für die Nutzung von solaraktiven Systemen wie Photovoltaik oder Solarthermie vorgesehen.

Der reflektierte Umgang mit Boden, Wasser und Energie begleitet die Entwicklung des Quartiers von Anfang an um den ökologischen Abdruck so klein wie möglich zu halten. Insbesondere im Hinblick auf die Möglichkeit Tiefgaragen unter den Wohnebenen zu schaffen, wird auf eine ausgeglichene Erdmassenbilanz abgezielt. Um die Überschussmassen zu  verbauen, wird ein leichtes Ansteigen der Stadteben von 0,5-1.0 % ab der ersten Nord-Süd-Spange vorgeschlagen. Stadtkante und (ebener) Randpark liegen damit ca. 1,20m über dem Niveau des Flugfeldes mit den zuvor dargestellten Effekten.

Der lokale Wasserhaushalt wird in idealer Weise an natürlichen Kreislaufsystemen orientiert. Regenwasser (Dächer und nicht befahrende Wege) wird dementsprechend gesammelt und zunächst über dezentrale Mulden versickert. Gründächer sorgen hierbei für eine Verzögerung des Abflusses. Überschusswasser wird in die Sickerflächen der großen Landschaftsfenster eingebracht. Eine Verteilung des Wassers ins Flugfeld wird durch leichte Verwallungen unterbunden. Durch die systematische Nutzung von Regenwasser im Freiraum (wie am Stadtplatz) wird eine Verbesserung des lokalen Mikroklimas erwartet. Weitere Konzepte eines Wassermanagements (z.B. Grau- oder Schwarzwasseraufbereitung) können problemlos im Rahmen einer weiteren Planfortschreibung in das Gesamtkonzept integriert werden.

Zur CO2-neutralen Energieversorgung wird die Errichtung eines gebietsinternen kalten Nahwärmenetzes vorgeschlagen. Gespeist wird dieses über einen Wärmetauscher zur Entnahme von Abwärme aus dem zentralen, das Gebiet querenden Abwasserkanal. Das gewünschte Temperaturniveau wird in den Gebäuden über dezentrale Wärmepumpen bereitgestellt. Der benötigte Strom zum Antrieb der Wärmepumpen sowie der gebäudebezogene Nutzstrom werden über Photovoltaik auf den Dächern der Gebäude gewonnen.

Google maps: